Doch: warum eigentlich diese Frage? Denn möglich ist es wohl; in der Kunst allerdings nicht ohne weiteres erlaubt.
Der Weltkonzern Kunst hält zwar heute das Monopol auf Malerei, Plastik und Musik, das war aber nicht immer so, erst seit rund 200 Jahren werden frühere Handwerksdisziplinen zur „Kunst erhoben“. Weder wurde das Wort Kunst vorher mit Malerei in Zusammenhang gebracht, noch galten die philosophischen Forderungen dieses Begriffes. Es gab nicht einmal Museen. Erst die französische Revolution führte neben vielem anderen auch die Kunst ein, die Familie Bonaparte installierte die ersten Kunstmuseen, Kant lieferte die pietistische und handwerksfeindliche Definition, Hegel dazu das Zeitgeistpostulat. Die neu gegründeten Museen wurden mit Malereien gefüllt, die der Kunst quasi als ready-mades einverleibt wurden, denn als Kunst waren die nie gedacht und gemacht. So gesättigt erklärte die Kunst ihr Völlegefühl: in den 1860ern wurde gerade in München der Begriff für das geprägt, was keine Kunst war; als Kitsch wurde nun abgekapselt, was das Schaffen davor in so vielen Jahrhunderten bestimmt hatte. Was würden Rembrandt, Tizian und Lionardo heute tun? Wären sie Videoinstallateure, hätten sie etwa ihren Spaß mit flotter und modischer Flachware in Miami? Oder wären sie einfach glücklich damit, ihr Handwerk zu meistern?
Kitsch ist die Alternative zur Kunst.
Kitsch ist die Alternative für Menschen, die Malerei und Musik lieben, sich aber in Galerien und Museen der Moderne nicht zurecht finden und das erste Stück im Konzert doch lieber versäumt hätten.
Kitsch ist ein ernstes Unterfangen, ist nicht ironisch, propagiert kein System.
Kitsch ist an der Seite der Empfindsamkeit und Verletzlichkeit des Einzelnen.
Das Ziel des Kitschschaffendens ist das überzeitliche Meisterwerk.

Seit sich der Maler Odd Nerdrum vor rund zehn Jahren in Norwegen als erster mutig öffentlich zum Kitsch bekannt hat, ist viel geschehen. denn das erste Mal wurde Kitsch als positiv aufgefasst, als ein Überbau für figurative, innerliche Malerei. 1999 wurden drei Reden und Artikel als Inserate in ArtNews (dem größten Kunstmagazin der Welt) gedruckt. In aller Welt sind Maler, Bildhauer und Musiker seinem Beispiel gefolgt. In Skandinavien, und nun auch in den USA, kommt man als gegenständlicher Maler, als tonaler Komponist, nicht mehr um die Tatsache herum, daß man Kitsch ernsthaft und positiv betrachten kann.

Nach mehreren Ausstellungen und drei Kitschannualen in Norwegen tritt nun der Kitsch erstmals am europäischen Kontinent auf, in einer von Jan-Ove Tuv, Therese Sjøvoll und Helene Knoop jurierten, international bestückten Ausstellung mit insgesamt 43 Teilnehmern.
1.Patricia Traub (guest exhibitor)
2.Andreas Birath
3. Odd Nerdrum
4.Luke Hillestad
5.David Dalla Venezia
6.Anthony Connolly
7.Conor Walton
8.Thomas Klevjer
9.Monika Helgesen
10.Helene Knoop (jurymember)
11.Jan-Ove Tuv (jurymember)
12.Robert D. Williams
13.Laura Bornemann
14.Maria Kreyn
15.David Molesky
16.Marlies Ihmels
17.Jay Senetchko
18.Marco Chiuchiarelli
19. Valeria Canone
20.Carlo Alberto Palumbo
21.Ariane Krischke
22.Stefan Nüetzel
23.Michael Engelhardt
24.Boris Koller
25.Anton Bauer
26.Meike Müller
27.Elisabeth Segerer
28.Billy Roy Økland
29.Mattias Sammekull
30.Alexander Balos
31.Sampo Kaikkonen
32.Gunnar Haslund
33.Richard T. Scott
34.Ibolya Csanadi
35.Camilla Marie Paulsen
36.Markus Andersson
37.Hege Haugen
38.Alexandra Nedzvetskaya
39.Denis Ichitovkin
40. Joakim Ericsson
41. Matthew Davey
42. Kjetil Jul
43. Jonny Andvik

Die Organisation und das Wachsen der Ausstellung war durch die Internetseite www. worldwidekitsch. com möglich, dort wurden die Bewerbungsformulare zugänglich gemacht. Diese Seite hat es auch möglich gemacht, mit dem nächsten Zusammenarbeitspartner für das Arrangement der nächsten Biennale in Venedig 2010 in Kontakt zu kommen.
Ein Katalog erscheint, ein kleines Begleitprogramm eröffnet Aspekte des Kitsches in Schauspiel und Musik.
Sehen und hören Sie selbst!

Wer um Mitgliedschaft bei worldwidekitsch ansucht, oder um eine Teilnahme an einer Kitschbiennale, wird gebeten, die Kitschdogmen zu lesen; so wird man sich klar darüber, was Kitsch mit sich bringt. Darunter findet man:
- Weil Kitsch nicht auf Religion gebaut ist (wie man glauben oder fühlen soll), aber auf Tüchtigkeit, ist er abhängig von Dogmen.
- Wenn dein vorderstes Ziel Originalität ist, dann machst du keinen Kitsch mehr.
- Ein Kitschmaler diktiert die Natur nicht, er studiert sie.
- Der Kitschmensch sieht im Leiden ein lokales Problem, dem ein universeller Inhalt gegeben wird.
- Ein Kitschwerk riecht immer nach Schweiß.
- Die Sehnsucht danach, seine eigene Melancholie durch Handwerk zu vertiefen, ist die Qualität des Kitschschaffendens.
- In einem Kitschwerk wird alles in der Oberfläche offenbart, dem einzigen Weg zwischen die Zeilen.